Unser Sohn Finn kam neulich aus der Schule (1. Klasse) zurück und erzählte, es habe dort eine heiße Diskussion darum gegeben, ob die Kinder an das Christkind glauben oder nicht. Dann erklärte er uns, wie er das Christkind verteidigt habe. Sein Freund Paul fand das wohl kindisch, da er an gar nichts glaubt. Im Moment scheint das für Finn völlig in Ordnung zu sein, aber mich hat es verunsichert. Sollte ich etwas unternehmen? (Lina, 29 Jahre)
Ihr Sohn glaubt an das Christkind – und dass einige seiner Mitschüler*innen andere Vorstellungen haben, scheint kein Problem für ihn zu sein. Mehr noch: Er ist offenbar stolz darauf, das Christkind verteidigen zu können. Das hört sich so an, als ob für Ihren Sohn alles okay ist. Also können Sie es unbesorgt dabei belassen, sofern Finn keine weiteren Fragen zu dem Thema hat. Für (einige, nicht alle) Kinder seines Alters existiert durchaus noch der Glaube an magische Dinge. Nach und nach lässt dies dann nach.
Wichtig ist, ihn weiterhin aufmerksam im Blick zu behalten. Ändert sich sein Verhalten, ist er grüblerisch, zweiflerisch oder traurig, wenn es um das Weihnachtsthema geht, fragen Sie behutsam nach, was ihn beschäftigt. Geben Sie dabei seinen Gedanken und Vorstellungen genug Raum. Kinder signalisieren meist sehr deutlich, ob sie über ein Thema sprechen wollen oder nicht. Und sie äußern auch, wann es ihnen genug ist.
Übrigens: Viele Erwachsene, die als Kinder an das Christkind (oder an den Weihnachtsmann) geglaubt haben, geben diese Fantasievorstellung an ihre eigenen Söhne und Töchter weiter. Befragungen zufolge kann sich die Mehrzahl von ihnen nicht mehr bewusst daran erinnern, wann ihnen dieser „Kinder-Glaube“ abhanden gekommen ist. Entscheidend ist: Die Symbolgestalten dürfen keinen strafenden Charakter bekommen. Drohungen wie: „Der Weihnachtsmann sieht alles, was du gemacht hast!“ oder: „Wenn du nicht brav bist, bringt das Christkind dir keine Geschenke“ sollten tabu sein.
Wenn Ihr Sohn – wann auch immer – mit Ihnen darüber sprechen will, ob es das Christkind gibt oder nicht, ist es hilfreich, eine fragende Haltung einzunehmen. Anders als bei Wissensfragen, die eine klare Antwort brauchen (zum Beispiel, wie weit der Mond weg ist), geht es bei Glaubensfragen eher darum, miteinander zu philosophieren. Um zu verstehen, was Finn zum Thema Christkind fühlt und denkt, können Sie im Laufe eines Gesprächs darüber beispielsweise folgende Fragen anbringen:
Ein solches Gespräch fordert auch uns als Erwachsene heraus, uns Gedanken zu machen und einen eigenen Standpunkt zu finden: Erzählen Sie Ihrem Sohn also auch, was das Christkind für Sie bedeutet, was es für Sie symbolisiert und wieso es für Sie zu Weihnachten dazugehört. So kann ein spannender Austausch entstehen.
Sabine Maria Schäfer
Erziehungsberaterin, systemische Familientherapeutin und "Kess-erziehen" - Kurs-Referentin
Kinder interessiert nicht nur das Wie, sondern auch das Warum dieser Welt. Ihren Eltern bleiben deshalb auch die „großen“ Fragen des Lebens nicht lange erspart:
Der Elternkurs Kess-erziehen: Staunen. Fragen. Gott entdecken. knüpft daran an und legt Spuren, wie Väter und Mütter die seelische Entwicklung ihrer Kinder (im Kindergarten- und Grundschulalter) auch in spiritueller Hinsicht unterstützen können. Die mehrteiligen Kurse, die auch in Einzelabenden angeboten werden, ermutigen dazu, religiöse Themen aufzugreifen, gemeinsam mit den Kindern nach Antworten zu suchen und sich dabei von der christlichen Tradition leiten zu lassen. Zu jeder Veranstaltung gehören Informationen, Übungen und konkrete Anregungen für zu Hause.
Weitere inhaltliche Informationen und die örtlichen Ansprechpartner finden Eltern unter www.kess-erziehen.de.
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